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Informationen zur Isla de Margarita

Die Perle der Karibikinsel

Die Namen für den kleinen Karibikarchipel, 38 km nördlich der Küste Venezuelas, sind vom Meer inspiriert, das ihn umspühlt. Paraguachoa, Überfluss an Fischen, nannten die indianischen Guaiqueri ihre Heimat. Später tauften die spanischen Eroberer die grösste und hübscheste der Inseln auf den Namen Margarita, abgeleitet vom griechischen Wort für Perle, margaritari, was  sich auf den Perlenreichtum in den umliegenden Gewässern bezog. Heute nennen die Venezolaner die Isla Margarita aus anderen Gründen,> Perle der Karibik <. Schließlich verfüge sie über alle Schönheiten anderer Karibikinseln, habe aber nicht unter deren Naturkatastrophen, den Hurrikanen und Stürmen, zu leiden.

 

Das Karibik - Dreigestirn Margarita, Coche und Cubagua würde wohl immer noch seinen Dornröschenschlaf schlummern, wäre Margarita 1975 nicht zur zollfreien Zohne erklärt worden. Damals war der Perlenreichtum, welcher der spanischen Krone zeitweise, mehr Geld in die Kasse gespült hatte als das Gold aus Mexiko und Peru, längst versiegt. Heute verbinden sich moderner Tourismus und ländliche Tradition zu einer ganz eigenen Mischung: An der Buchten reichen Küste im Norden von Margarita und in Porlamar dominieren die Hotelbauten und der trubelige Touristenalltag; verstreut über weite Teile der Insel jedoch leben die Fischer, Bauern und Früchteverkäufer ihr bescheidenes Leben, das an Zufällen und Unvorhersehbarem reich ist. Auf Coche, der kleinen Schwesterinsel, verläuft das Dasein auf ähnlich ruhigen Bahnen. Und Cubagua, wo die erste spanische Siedlung der drei Inseln entstand, ist heute gänzlich unbewohnt.

 

So bleiben weite Teile des Archipels von den Auswirkungen der nordamerikanischen eingefärbten Tourismuskultur unberührt. Wärend in Porlamar die Klimaanlagen surren, als gäbe es sie schon immer, werden im schläfrigen Tacarigua emsig Hängematten gehäkelt und Körbe für die Fischer geflochten. Jose Ramon sammelt mit seinen Freunden in den dicht bewaldeten Gebirgsfalten des Cerro Copey Papayas, um sie in einem grossen Kupferkessel sieben Stunden sieden zu lassen, bis aus ihnen das Fruchtmark pinonate gewonnen ist. An der Playa Restinga, die die schmetterlingsförmigen Konturen der Isla de Margarita zusammenhält, werfen Frauen chipi chipi-Muscheln in den Topf und kochen daraus eine Brühe, die als Aphrodisiakum gilt. In vielen der kleinen Fischersiedlungen, die sich in die Buchten der wüstenhaften westlichen Halbinsel Macanao schmiegen, baut man gemeinschaftlich ein Boot, und der Fischfang wird an alle verteilt.

 

Zeit zu haben und sich Zeit zu nehmen sind westliche Gestaltungselemente des Alltags auf Margarita: Zeit, um der Jungfrau vom Tal, der Virgen de Valle, eine Prozession zu bereiten, die ihrem Status als Patronin aller Fischer angemessen ist; Zeit für die Zubereitung komplizierter Gerichte, die zwar aus den ewig gleichen  Zutaten bestehen, doch- erfinderisch variiert - zu immer neuen Geschmacksrichtungen führen. An den Küsten, an denen sich die meisten Gäste der 1150 km großen Isla de Margarita aufhalten, herrscht hingegen der unverbittliche Konkurenzkampf zwischen den Anbietern einer heilen Urlaubswelt. Nicht nur national, sondern auch international geht Margarita, gehen die Playa el Aqua, die Playa Caribe , gehen Strände, Hotelstandards und Vergnügungsmöglichkeiten in den Wettbewerb. Da sind Marmorgebilde mit Eingangshallen so imposant wie Kirchenkuppeln und mit Bougainvillea geschmückte Bungalowsiedlungen entstanden, um den internationalen Geschmack zufrieden zu stellen. Um die Qualität auf einem gleichmässigen Niveau zu halten, haben ( meist ) ausländische Hotelgesellschaften das System der All- Inclusiv- Anlagen eingeführt. Von früh bis spät werden die Touristen nun rundumversorgt - vom frisch gepressten Orangensaft bis zur Tennisstunde. Leider hat sich das duftende Meeresaroma zugunsten der Internationalität aus den Mahlzeiten verabschiedet, die auf den Warmhalteplatten des Büffets vor sich hin simmern. Natürlich, das darf man nicht vergessen, entstanden viele Arbeitsplätze. Als Margarita zur Freihandelszone ernannt wurde, war es schließlich erklärtes Ziel, die strukturschwache Insel zu beleben.


Riesige Einkaufszentren wurden in Porlamar gebaut, zunächst atraktives Reiseziel für die Venezolaner vom Festland. Später kamen auch die internationalen Gäste, und in den Hotels, die in der Folge entstanden, brauchte man Zimmermädchen, Cocktailmixer, Tanzlehrer und Nachtportiers.


Der Ruhm kam über Nacht, aber er kam offenbar zu schnell, Margarita, so verteidigen sich die Tourismusexperten heute, war auf die große Nachfrage schlecht vorbereitet, der mangelde Standart habe die Erwartungen enttäuscht. So sanken die Zahlen der internationalen Gäste von einer viertel Millionen  Mitte der 90er Jahre des 20. Jh. auf fast die Hälfte im neuen Jahrtausend. Das ist schade. Denn die Hauptinsel hat neben den Touristenhochburgen eine vielgestaltige Landschaft und zudem viele Ausflugsmöglichkeiten aufs Festland zu bieten, die wir noch ausführlich vorstellen. Obwohl der Archipel zum Karibischen Trockengürtel gehört und deshalb den Vegetationsreichtum von Halbwüsten aufweist, breitet sich im östlichen Teil von Margarita an den windzugewandten Hängen eine üppige Pflanzenwelt aus.

 

San Juan, die höchste Erhebung der Insel, misst 906 m und sie ist oft in Nebelbänke gehüllt. Die Niederschlagsmengen sorgen für ein fruchtbares Klima. Wer sich an den Sonnenküsten aalt, kann sich nur schwer vorstellen, das man in dem vom Waldteppich überzogenen Landesinneren frieren könnte. Obst; Tabak - und Zuckerrohrplantagen bedecken die Hänge, Dattel- und Kokospalmen umschließen die malerischen Orte San Juan Bautista und Fuentidueno. Diese Binnenwelt lässt sich erwandern oder reitend erkunden oder einfach nur besuchen. Geschichtsinteressierte begegnen auf den Inseln den Spuren der Konquista: Wie so viele Inseln der Karibik durchlitt der Estado Nueva Esparta - Neu Sparta, wie er zur Erinnerung an seine kämpferischen Bewohner heißt - alle Stadien der kolonialen Ausbeutung. Die reichen Austernbänke gerieten in die Fänge geldgieriger spanischer Konquistadoren. Santiago de Cubagua , später umgetauft in Nueva Cadiz, wurde 1500 auf Cubagua als Stützpunkt für die Perlentaucherei gegründet. Bis 1541 ließen dort viele Indianer unter unmenschlichen Arbeitsbedingungen ihr Leben. Für >Nachschub< wurde durch den Import schwarzer Sklaven gesorgt. Gleichzeitig kam es zur fieberhaften Gründung kolonialer Siedlungen, und Lope de Aguirre unerwartet die Insel kurz, aber gewaltig: 1561 landet er in Puerto Fermin, wo der Strand noch heute seinen Namen führt: El Tirano, der Tyrann. Im 16. Jh. stritten sich Piraten um die Inseln, die so nah an der Küste und den kostbaren Salzvorkommen der Halbinsel Araya lagen. Zwischen 1565 und 1595 wurde Margarita 14- mal überfallen und geplündert. Zum Schutz entstanden in La Asuncion, Pampatar und Juangriego mächtige Bastionen, die zusammen mit einigen Kirchen zu den Hinterlassenschaften der Kolonialarchitektur auf Margarita gehören.

 

So nimmt es nicht wunder, dass sich Margarita schon sehr früh den Unabhängigkeitskriegen gegen die spanische Krone anschloss. Der venezolanische Freiheitsheld Simon Bolivar wurde hier mit offenen Armen empfangen, und bedeutende Mitkämpfer des Befreiers stammen von der Isla de Margarita. Nun ist Margarita in der Gegenwart angekommen und hat nicht mehr mit grausamen Despoten, sondern mit den Gesetzen des Marktes zu kämpfen: Ein Regierungsprogramm mit dem schönen Namen cielo abierto, offener Himmel, will den so wichtigen Wirtschaftszweig Tourismus auf Vordermann bringen. In das pleite gegangene Hotel Tamarindo soll eine Tourismusfachschule einziehen. Und die in knallgelbe T-Shirts gehüllten Reinigungstrupps sieht man unermüdlich die Straßen säubern, um dem Müllproblem Herr zu werden. Der Gouverneur und Parteifreund des präsidenten Hugo Chavez, Alexis Navarra, kehrt nicht nur auf den Strassen mit harten Besen, und viele Margaritenos finden das gut., Zu lange, so meinen sie, haben die traditionellen Parteien ungehemmt Gelder in die eigenen Taschen gewirtschaftet - auch auf Margarita. Alles andere - Schönheit, Palmen, Strände, Sonne, Berge, Blumen, Vögel, Fische, Flüsse, Dörfchen und Kolonialkirchen -, die Ressurcen und Grundlagen sozusagen, bietet Margarita ohnehin im Überfluss.

 


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